Wichtige Leberhautzeichen
Lebersternchen oder Spider naevi sind Gefäßerweiterungen in der Haut Leberkranker. Sie entstehen wahrscheinlich durch gefäßaktive ... | mehr
Die Leber
Das Wichtigste auf einen Blick
Anhand einzelner Leberwerte lassen sich Ausmaß und Lokalisation von Leberschäden oder Funktionseinschränkungen nicht abschätzen. Es gibt nicht den einen Blutwert, der Leberprobleme anzeigt.
Die labormedizinische Bestimmung der Leberwerte ist wichtig, weil die Leber selbst keine Schmerzrezeptoren besitzt und eindeutige Symptome erst im späteren Verlauf vieler Lebererkrankungen auftreten.
Das Standard-Blutbild gibt Hinweise auf Leberprobleme, indem es die Menge an folgenden Enzymen misst:
Leberzellen erneuern sich auch bei gesunden Menschen ständig. Deshalb sind Leberwerte immer im Blut nachweisbar. Werden Leberzellen jedoch durch Überlastung, Krankheiten oder Toxine geschädigt, treten diese spezifischen Enzyme aus dem Zellinneren in die Blutbahn über und lassen so die Leberwerte ansteigen.
GGT (Gamma-Glutamyl-Transferase, γ-GT) kommt in der äußeren Zellmembran der Leberzellen vor und wird dadurch schon bei leichten Leberzellschäden ins Blut freigesetzt. Sie ist der empfindlichste Hinweis auf Störungen in der Leber und der Gallengänge und steigt auch durch Alkoholkonsum oder Medikamente an.
GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, AST) befindet sich den Mitochondrien („Kraftwerke“ der Zelle) verschiedener Zellen und wird erst bei massiven Zellschäden ins Blut freigesetzt. Eine akute Virushepatitis oder toxische Lebernekrosen führen zu starken Anstiegen. GOT und GPT werden häufig zusammen betrachtet und sind wichtige Anzeichen für Erkrankungen der Leber und der Gallenwege.
GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase, ALT) kommt im Zellwasser der Leberzellen vor. Ein Anstieg wird durch schwerwiegendere Leberzellschäden ausgelöst.
GLDH (Glutamat-Dehydrogenase) kommt im Gegensatz zur GOT hauptsächlich in den Mitochondrien der Leber vor. Sie wird häufig zusammen mit den bisherigen Werten bestimmt und weist auf massive Zellschäden speziell in der Leber hin.
Albumin ist ein wichtiges Bluteiweiß, das unter anderem für die Bindung von Wasser im Blut verantwortlich ist. Es wird zusammen mit dem Gesamteiweiß bestimmt und angegeben. Auch Albumin wird in der Leber hergestellt und Leberschäden können zu einem sinkenden Albuminwert führen. In der Folge sammelt sich bei niedrigen Albuminwerten auch mehr Wasser im Bauchraum (Aszites) oder im Gewebe (Ödeme) an.
Ammoniak ist ein Zellgift, das von einer gesunden Leber entgiftet wird. Kann eine kranke Leber dieses Gift nicht mehr abbauen, sammelt es sich im Blutkreislauf an. In der Folge kann Ammoniak ins Gehirn gelangen und zur Entstehung der lebensgefährlichen hepatischen Enzephalopathie beitragen.
Erfahren Sie mehr über die hepatische Enzephalopathie in unserem Artikel Hepatische Enzephalopathie: Symptome, Verlauf & Lebenserwartung.
Cholinesterase ist ein in der Leber hergestelltes Stoffwechselenzym. Eine abnehmende Leberfunktion führt zu sinkenden Werten. Bei verschiedenen Stoffwechselerkrankungen (unter anderem Diabetes mellitus) ist er dagegen erhöht.
Der Quick-Wert gibt an, wie gut das Blut im Vergleich zu einer gesunden Person gerinnen kann. Die Leber produziert Gerinnungsfaktoren, die für die Blutgerinnung verantwortlich sind. Kann die Leber diese Eiweiße nicht mehr herstellen, funktioniert die Blutgerinnung nur noch eingeschränkt und der Quick-Wert sinkt.
Die Beurteilung, ob Leberwerte normal oder auffällig sind, hängt von Faktoren wie Geschlecht und Alter ab. Auch die Referenzbereiche können je nach Bestimmungsmethode unterschiedlich sein.
Ein Wert gilt als „erhöht“ (+) oder „erniedrigt“ (–), sobald er die Grenzen des jeweiligen Referenzbereichs über- bzw. unterschreitet.
Parameter | Normalwert Männer (♂) | Normalwert Frauen (♀) |
GPT (ALT) | 10 – 50 U/l (bei 37°C) | 10 – 35 U/l (bei 37°C) |
GOT (AST) | 10 – 50 U/l (bei 37°C) | 10 – 35 U/l (bei 37°C) |
GGT (Gamma-GT) | < 66 U/l (bei 37°C) | < 39 U/l (bei 37°C) |
GLDH | < 6,4 U/l | < 4,8 U/l |
Bilirubin | < 1,1 mg/dl | |
Ammoniak (NH3) | < 48 µmol/l | < 48 µmol/l |
Cholinesterase (ChE) | > 40 Jahren: 5.320 – 12.920 U/l | |
AP | 40 – 129 U/l | 35 – 104 U/l |
Albumin | 3,4 – 4,8 g/dl | |
Gesamteiweiß | 6,6 – 8,7 g/dl | |
(Hinweis: Die genauen Referenzwerte können je nach Bestimmungsmethode variieren und sind auf dem individuellen Laborbefund ausgewiesen. Laborwerte sollten immer im ärztlichen Kontext interpretiert und bei Auffälligkeiten mit einem Arzt besprochen werden.)
Bei Säuglingen und Kindern im Wachstum gelten abweichende Referenzwerte. Dies ist physiologisch völlig normal. Ein prägnantes Beispiel ist die Alkalische Phosphatase (AP): Da sie in knochenbildenden Zellen produziert wird, weisen Kinder wachstumsbedingt hohe Werte auf. Während bei Erwachsenen AP-Werte über 129 U/l erhöht sind, gelten bei Kindern (je nach Alter) AP-Werte weit über 300 U/l als normal. Auch das indirekte Bilirubin kann bei Neugeborenen kurzzeitig erhöht sein.
Die Veränderung eines einzigen Leberwertes ist wenig aussagekräftig. Leberschäden lassen sich eher an der Verschiebung mehrerer Werte erkennen. Andersherum können auch Erkrankungen, die nicht die Leber betreffen, zu Veränderungen der Leberwerte führen.
Häufige Ursachen für veränderte Leberwerte sind:
Seltenere Ursachen sind Autoimmunerkrankungen wie die Primär Biliäre Cholangitis (PBC). Hier greift das Immunsystem die Gallengänge an, was unter anderem an hohen AP und Bilirubin-Werten und spezifischen Antikörpern im Blut erkennbar ist. Eine Autoimmunhepatitis äußert sich im Anstieg verschiedener Leberwerte wie GGT, GPT, oder GOT.
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über einige typische Leberwertveränderungen bei einigen Erkrankungen oder schädlichen Einflüssen:
Albumin | Ammoniak | AP | GGT | GLDH | GOT | GPT | Bilirubin | |
Fettleber | ≈ bis + | ≈ | ≈ | ≈ bis + | ≈ | ≈ bis + | ≈ bis + | ≈ |
Aktive Leberzirrhose | − | ≈ bis + | ≈ | + | + | + | + | + |
Akute Hepatitis | ≈ | ≈ | ≈ | + | + | + | + | + |
Alkoholmissbrauch | ≈ | ≈ | ≈ | + | ≈ | + | + | ≈ |
Gallensteine | ≈ | ≈ | + | + | ≈ bis + | ≈ bis + | ≈ bis + | + |
Erhöht (+), erniedrigt (–), kaum verändert (≈)
Erhöhte Leberwerte sind nicht immer gefährlich. Es gibt einen Unterschied zwischen einem Anstieg oder Abfall knapp über oder unter den Referenzwert („Normalwert“) und klinisch relevanten Leberwertveränderungen. Die Leberwerte jedes Menschen unterliegen individuellen Schwankungen und können auch im Grenzbereich für einzelne Menschen „normal“ sein. Um klinisch relevante Leberwertveränderungen zu beurteilen, muss der gesamte Patient betrachtet werden – Alter, Begleiterkrankungen und individuelle Risiken.
„Kritische“ Leberwertveränderungen über- oder unterschreiten den klinisch relevanten Bereich und erfordern meistens sofortige Behandlung. Beispielsweise können GOT und GPT-Werte von > 200 U/l als „kritisch“ gelten und auf massive Zellschäden in der Leber hindeuten. Die Untersuchungslabore alarmieren bei gewissen Alarmwerten meist unverzüglich den Arzt, wenn „kritische“ Werte bei der Untersuchung auffallen.
Bei Leberkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) oder Lebermetastasen können die Leberwerte je nach Verlauf oder Lokalisation der Tumore oder Metastasen unterschiedlich aussehen. Für bösartige Krebserkrankungen können erhöhte AP-Werte in Kombination mit erhöhten Transaminasen (GPT und GOT) und GGT ein Hinweis sein. Die genaue Erhöhung hängt von individuellen Faktoren und dem Krankheitsverlauf ab. Blockiert Tumorgewebe die Gallengänge steigt beispielsweise auch das Bilirubin. Nimmt die Leberfunktion ab, sinken auch Synthese- und steigen die Entgiftungsparameter.
Eine stoffwechselbedingte Fettleber (MASLD, Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatoische Lebererkrankung) ist meist unauffällig und weist oft nur einen moderat erhöhten GPT-Wert im Blutbild auf. Dazu kommen die Begleitparameter des ursächlichen metabolischen Syndroms, weshalb auch Parameter wie Triglyceride, LDL-Cholesterin und der Blutzucker auffällig sind.
Mehr Informationen über die Fettleber finden Sie in unserem Artikel Fettleber: Symptome, Ursachen & Behandlung.
Bilirubin ist das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Sind die Bilirubinwerte längere Zeit erhöht, kommt es zur Gelbsucht (Ikterus) – der Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute. Bilirubin ist nicht wasser-, sondern fettlöslich und wird in der Leber an wasserlösliche Verbindungen gebunden und mit der Gallenflüssigkeit in den Darm abgegeben. Von dort aus wird es zum Großteil über den Stuhl ausgeschieden und zu einem kleinen Teil über die Nieren.
Im Labor kann im Blut sowohl das fettlösliche (indirekte) als auch das wasserlösliche (direkte) Bilirubin bestimmt werden. Je nachdem, welcher Wert erhöht ist, sind unterschiedliche Ursachen möglich. Hohes indirektes Bilirubin deutet auf einen vermehrten Abbau von roten Blutkörperchen hin (Hämolyse) oder Störungen in der Verarbeitung in der Leber hin. Hohes direktes Bilirubin kann Hindernisse in der Ausscheidung durch die Galle bedeuten – z. B. Tumore im Gallengang oder Gallensteine.
AP (Alkalische Phosphatase) ist ein Enzym in den Zellmembranen der Leber und der Gallengänge. Da es auch im Skelettsystem vorkommt, kann es nicht nur bei Erkrankungen der Leber- und Gallenwege erhöht sein, sondern auch in Wachstumsphasen oder bei Schwangerschaften.
Eine „Wunderpille“ oder „Detox-Tees“, um die Leberwerte zu normalisieren, existieren nicht. Die Normalisierung gelingt durch metabolische Entlastung. Ernährung, körperliche Aktivität und der Verzicht auf Alkohol verbunden mit einer Reduktion des Körpergewichts sind hier der beste Weg.
Mehr über das Thema „Leber entgiften“, erfahren Sie in unserem Artikel Leber entgiften: Fakten & Mythen.
Chronischer Stress führt zur vermehrten Ausschüttung von „Stresshormonen“ wie Cortisol und Adrenalin. Auf Dauer führen diese Hormone zu Entgleisungen im Zucker- und Fettstoffwechsel und belasten die Leber. Das kann die Entstehung von Erkrankungen begünstigen, die sich wiederum in veränderten Leberwerten widerspiegeln können.
Erhöhte Leberwerte können ein Anzeichen für eine Überlastung oder Schädigung von Zellen der Leber oder Gallenwege sein. Häufig tragen Infektionen oder eine ungesunde Ernährung mit übermäßigem Zucker-, Fett- und/oder Alkoholkonsum dazu bei.
Die GGT (Gamma-Glutamyltransferase) ist ein empfindlicher Blutwert, der auf verschiedene Belastungen der Leber reagieren kann und sich daher relativ schnell verändern kann.
Bei dauerhaft erhöhten GGT Werten ist es wichtig, gemeinsam mit dem Arzt nach möglichen Ursachen zu suchen. Je nach Auslöser kann es sinnvoll sein, bestehende Medikamente zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen – dies sollte stets nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Zusätzlich können allgemeine Maßnahmen wie eine ausgewogene Ernährung, eine schrittweise Gewichtsreduktion (falls erforderlich) sowie der Verzicht auf Alkohol dazu beitragen, die Leber zu entlasten.
Hinweis: Die bereitgestellten Informationen dienen der Aufklärung und ersetzen keinesfalls eine individuelle ärztliche Beratung.