Covid-19 und die Leber

Covid-19 und die Leber – was müssen Patienten wissen?

Ältere Patienten und Patienten mit Vorerkrankungen sind durch einen schweren Verlauf von COVID-19 besonders gefährdet und zählen somit zur Risikogruppe. Was müssen speziell Patienten mit chronischen Lebererkrankungen beachten?

Auch Patienten mit chronischen Lebererkrankungen werden laut Robert-Koch-Institut als Risikogruppe eingestuft. Es bleibt allerdings unklar, ob die Lebererkrankungen selbst oder häufige Begleiterkrankungen, wie Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht, das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 erhöhen.

Keine besonderen Schädigungen der Leber durch Covid-19

Bei einigen Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen wurden erhöhte Leberwerte beschrieben, insbesondere erhöhte Alanin-Aminotransferase (ALT)-Werte. Jedoch gehen die Experten davon aus, dass die Leber eher durch den allgemeinen Entzündungsprozess sowie durch die Medikamente belastet wird, als durch das Coronavirus SARS-CoV-2 selbst geschädigt wird. Auch bei schwersten Verläufen von Covid-19 wurden bisher keine speziellen Leberschädigungen oder Fälle von Leberversagen beobachtet.

Therapie mit Immunsuppressiva beibehalten

Können Immunsuppressiva vor einer Überfunktion des Immunsystems bei Covid-19 schützen? Oder wird dadurch eher das Infektionsrisiko zusätzlich erhöht? Diese Fragen können bislang nicht klar beantwortet werden. Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen, z.B. nach einer Leber-Transplantation oder wegen einer autoimmunen Hepatitis, sollten jedoch auf gar keinen Fall die Therapie in Eigenregie absetzen oder reduzieren. Denn das könnte verheerende Folgen haben. Im Zweifelsfall sollten Patienten mit ihrem behandelnden Arzt sprechen. Die deutsche Leberstiftung rät derzeit von einer Reduktion der Therapie mit Immunsuppressiva ab.

Ambulante Versorgung nicht vernachlässigen

Aus Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, trauen sich viele chronisch kranke Patienten nicht mehr, spezialisierte Zentren aufzusuchen und brechen die ambulante Behandlung häufig ab. Doch ohne regelmäßige Kontrollen können sich chronische Lebererkrankungen verschlimmern und weitere Komplikationen drohen. Inzwischen gibt es in fast allen medizinischen Einrichtungen ein gut durchdachtes Hygiene-Management, um Risiko-Patienten zu schützen. Dabei werden Wartezeiten und Kontakte vermieden und auf die strenge Einhaltung der Hygiene-Regeln geachtet, wie Hände-Desinfektion und Maskentragen. Die deutschen Leberstiftung empfiehlt:

  • Telemedizin/Telefon soweit möglich in Anspruch nehmen
  • Blutuntersuchungen beim Hausarzt vornehmen lassen
  • Impfungen gegen Grippe und Streptokokken. Die Impfungen können zwar eine Covid-19-Erkrankung nicht verhindern, aber schützen vor zusätzlichen Lungenentzündungen.
  • Routine-Testungen auf SARS-CoV-2 für Patienten, die auf der Transplantationsliste stehen
  • Leber-Patienten mit einer Covid-19-Infektion frühzeitig ins Krankenhaus aufnehmen und eine antivirale Therapie beginnen

Quellen:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogruppen.html (Zugriff 07/2020)
https://www.deutsche-leberstiftung.de/downloads/covid-19/positionspapier (Zugriff 07/2020)
https://www.internisten-im-netz.de/aktuelle-meldungen/aktuell/was-ist-bekannt-ueber-lebererkrankungen-und-covid-19.html (Zugriff 07/2020)