Gen beschleunigt oder bremst Leberzirrhose

Frankfurt am Main, 10.08.2005

BONN (MedCon) – Leberzirrhose ist in der Altersgruppe der 25- bis 40-Jährigen unter allen Krankheiten die zweithäufigste Todesursache. Deutsche Forscher haben nun ein Gen identifiziert, das darüber entscheidet, wie schnell eine Leberzirrhose voranschreitet. Die Mediziner der Universität Bonn und der RWTH Aachen entwickelten ein kleines Eiweißmolekül, das zumindest bei Mäusen die Entstehung einer Zirrhose verzögert.

Eine chronische Infektion mit Hepatitis-Viren oder Alkoholmissbrauch kann den gefährlichen Vernarbungsprozess der Leber in Gang setzen: Mehr und mehr Leberzellen gehen zu Grunde und werden durch Narbengewebe ersetzt. Endstadium einer derartigen "Fibrose" ist die Leberzirrhose.

Wie schnell eine Fibrose fortschreitet, hängt zum einen vom Lebenswandel ab: Wer unter chronischer Hepatitis leidet und regelmäßig Alkohol trinkt, erhöht sein Zirrhose-Risiko dramatisch. Zum anderen können genetische Einflüsse die Fibrose beeinflussen. Welche Erbanlagen die Vernarbung begünstigen, war allerdings bislang unbekannt.

Das Team um Prof. Frank Lammert (Bonn) und Prof. Siegfried Matern vom Universitätsklinikum Aachen hat nun im Tierversuch ein bisher unbekanntes Gen identifiziert, das die Bildung einer Zirrhose begünstigt. Die Wissenschaftler kreuzten Mäuse, bei denen die Leber nach einer Vergiftung schnell vernarbt, mit Tieren, deren Leber unempfindlicher ist. Auch die Nachkommen zeigten eine unterschiedliche Fibrose-Neigung. Die Mediziner nahmen das Mäuse-Erbgut daher genauer unter die Lupe und stießen auf ein Gen, das für die unterschiedliche Vernarbungsgeschwindigkeit verantwortlich sein konnte: Das Gen für den sogenannten „Komplementfaktor 5“ (C5).

„Wir haben gezielt Mäuse untersucht, die kein C5 bilden können“, so Sonja Hillebrandt aus der Bonner Arbeitsgruppe. „Bei diesen Tieren schritt die Lebervernarbung nur noch langsam voran. Wenn wir jedoch ein künstliches Chromosom mit einem funktionsfähigen C5-Gen in die Mäuse einschleusten, entwickelten die Tiere eine ausgeprägte Fibrose.“ Nun wissen die Wissenschaftler auch, warum: C5 kann an die so genannten Sternzellen in der Leber andocken und sie so zur Produktion von Narbengewebe anregen.

„C5 ist ein Protein des angeborenen Immunsystems, das der Körper bei Krankheiten ausschüttet und das eine starke Entzündungsreaktion hervorruft“, sagt Lammert. „In der Regel ist das auch gewünscht: Je stärker die Entzündung, desto besser gelingt es unserem Immunsystem, mit Krankheitserregern fertig zu werden.“ Wird der Infekt chronisch, kann eine starke Entzündungsreaktion jedoch auf die Dauer mehr Schaden anrichten als nutzen.

Die Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Studie eröffnen neue Chancen, die Ausbildung der Leberzirrhose zumindest zu verzögern. Jetzt laufen dazu Studien an Menschen an.

Quelle: Uni Bonn Juli 2005.

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